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Leitfaden für Haushaltsauflösung und Nachlass

Checkliste und richtige Reihenfolge für Erben

Kurz gesagt: Sichern Sie zuerst persönliche Dinge und Unterlagen, lassen Sie danach die Werte ansehen, holen Sie erst dann Makler und Haushaltsauflöser dazu. Wer diese Reihenfolge umdreht, übersieht regelmäßig Werte – meist ohne es je zu erfahren.

Dieser Leitfaden fasst zusammen, was sich aus über 500 aufgelösten Haushalten und Nachlässen als Vorgehen bewährt hat. Sie können ihn hier vollständig lesen oder als PDF mitnehmen.

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In welcher Reihenfolge sollte man einen Nachlass auflösen?

Fast alles, was bei einer Nachlassauflösung schiefgeht, ist ein Reihenfolgefehler. Diese Abfolge hat sich in der Praxis bewährt:

  1. Emotional Wichtiges sichern. Fotos, Briefe, persönliche Erinnerungsstücke. Diese Dinge sind unwiederbringlich – alles andere lässt sich zur Not ersetzen. Machen Sie das zuerst und in Ruhe, bevor jemand anderes das Haus betritt.
  2. Unterlagen einsammeln. Ein Trick aus der Praxis: Legen Sie sämtliche Ordner, Mappen und losen Papiere in die Badewanne oder in einen abschließbaren Raum. Dort sind sie sicher, und Sie können sie in Ruhe sichten, während nebenher weitergearbeitet wird. Sie müssen nicht das ganze Haus durchgesehen haben, bevor es losgeht.
  3. Werte ansehen lassen. Bevor etwas verteilt, verkauft oder entsorgt wird: einmal fachkundig durchsehen lassen. Das dauert wenige Stunden und kann spätere Fehleinschätzungen vermeiden. Bei mehreren oder entfernten Erben geht das auch als gemeinsame Video-Begehung.
  4. Maklertermin. Gehört eine Immobilie dazu, ist sie meist der größte Posten. Der Makler sagt Ihnen auch, ob er das Objekt möbliert oder leer besser vermarkten kann – davon hängt ab, wann geräumt wird.
  5. Angebote für die Auflösung einholen. Mindestens zwei, besser drei. Immer nach einem Ortstermin, nie telefonisch geschätzt.
  6. Räumen und übergeben. Erst jetzt. Vorher ist jede Räumung ein Risiko.

Wer zuerst räumt und dann überlegt, hat die Reihenfolge umgedreht – und meistens schon verloren, was zu holen gewesen wäre.

Was ist der teuerste Fehler bei einer Haushaltsauflösung?

Gar nicht hinzuschauen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil Zeit fehlt, die Entfernung groß ist oder die Situation belastet. Der Haushalt wird komplett geräumt, und niemand hat je gesehen, was darin stand.

Der zweithäufigste Fehler ist das Gegenteil: alles selbst durchsehen zu wollen, bevor irgendjemand das Haus betreten darf. Daraus werden schnell Monate – und in dieser Zeit läuft die Miete weiter, und der günstige Zeitpunkt für den Immobilienverkauf zieht vorbei.

Regelmäßig im Container landen: Designvasen, alte Puppenhäuser, Möbel der Fünfziger und Sechziger, militärhistorische Gegenstände, altes Blechspielzeug.

Warum der Zeitpunkt beim Immobilienverkauf zählt

Die Immobilie ist im Nachlass fast immer der wertvollste Bestandteil, und bei ihr wirkt die Zeit gleich mehrfach.

Käufer entscheiden stark nach dem ersten Eindruck. Ein Haus, das im Sommer bei gutem Wetter mit grünem Garten fotografiert wird, präsentiert sich deutlich besser als dasselbe Haus im November. Wer im Frühjahr mit der Auflösung beginnt, hat diesen Zeitpunkt in der Hand – wer bis zum Herbst wartet, verliert ihn für ein Jahr.

Dazu kommt: Finanzierungsbedingungen ändern sich. Je zügiger ein Verkauf abgewickelt wird, desto weniger hängt das Ergebnis von Entwicklungen ab, die niemand vorhersehen kann.

Woran erkennt man, dass ein Gegenstand wertvoll sein könnte?

Die wertvollen Dinge liegen selten versteckt. Sie stehen offen im Raum – und werden übersehen, weil niemand auf die Idee kommt, dass sie etwas wert sein könnten. Das schlichte Teakholz-Sofa aus den Sechzigern sieht nach Sperrmüll aus. Auf der Unterseite steht oft ein eingestempelter Herstellername, der es einem bekannten Entwurf zuordnet.

Interessantes findet sich außerdem überdurchschnittlich oft auf dem Dachboden: altes Blechspielzeug, militärhistorische Gegenstände, Dinge, die vor Jahrzehnten hinaufgetragen und danach vergessen wurden.

Schmuck: Was bedeuten die Stempel 333, 585 und 750?

Fast jeder Nachlass enthält Schmuck, und hier liegen die meisten übersehenen Werte. Der eingeprägte Stempel gibt den Feingoldanteil an:

StempelBedeutung
75075,0 % Feingoldanteil
58558,5 % Feingoldanteil
33333,3 % Feingoldanteil

Wichtiger als das Gold ist häufig der Stein. Sitzt in einem gestempelten Goldstück ein größerer, durchsichtiger Einzelstein, muss geklärt werden, ob es ein Diamant ist – und wenn ja, welche Größe und Qualität. Ab etwa 0,4 Karat wird es interessant. Manchmal ist die Angabe als „ct“ mit eingestempelt. Hier entstehen die größten Unterschiede zwischen dem, was jemand vermutet, und dem, was tatsächlich im Stück steckt.

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Silber oder versilbert: Woran erkennt man den Unterschied?

„Wir haben Silberbesteck im Nachlass“ ist einer der häufigsten Sätze. Meist handelt es sich um versilbertes Besteck. Das ist kein Grund zum Wegwerfen – aber die Unterscheidung entscheidet über die Größenordnung.

StempelBedeutung
800Massives Silber, typisch bei Bestecken
835Massives Silber, oft Schmuck der Jahre 1930 bis 1950
925 oder SterlingMassives Silber, häufig ab der Nachkriegszeit
90, 100 oder 110Versilbert – die Zahl bezeichnet die Auflage, nicht den Gehalt

Die Zahlen 90, 100 oder 110 stehen meist auf der Rückseite der Besteckteile. Auch bei versilbertem Besteck gilt: Eine seltene Form oder ein gesuchtes Modell kann deutlich mehr bringen als das Material.

Münzen und Barren

Auch hier trägt fast alles einen Stempel. Münzen sind häufig mit 900 gekennzeichnet, Barren liegen meist nahe am Feingold. Bei D-Mark-Münzen gibt es einzelne Sammlerstücke, die sich mit etwas Suche gut identifizieren lassen. Ältere Stücke um 1900 – 5-Mark-Münzen, vor allem aber 10 und 20 Mark in Gold – liegen schon über den Metallwert deutlich höher.

Porzellan

Entscheidend ist die Manufaktur. Zu achten ist vor allem auf Meissen, Royal Copenhagen, KPM und Nymphenburg. Aus der Masse heraus stechen große Vasen und Figuren – nicht das Alltagsgeschirr.

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Möbel und Design der Fünfziger und Sechziger

Die am häufigsten unterschätzte Gruppe. Schlichte Möbel aus Teakholz, skandinavische Entwürfe, klare Formen ohne Zierrat. Sie wirken unscheinbar und werden regelmäßig entsorgt. Schauen Sie auf die Unterseite: Ein eingestempelter oder eingebrannter Herstellername führt zur konkreten Zuordnung. Dasselbe gilt für Vasen und Leuchten dieser Zeit.

Militärhistorische Gegenstände

Uniformen, Abzeichen, Orden, Urkunden und Fotoalben aus beiden Weltkriegen tauchen häufiger auf als erwartet – und werden meist unerkannt weggegeben, weil unklar ist, wie damit umzugehen ist. Für Orden und Ehrenzeichen sind im Netz Wertspannen auffindbar.

Hier ist Vorsicht geboten. Für Waffen, für den Umgang mit ihnen und für ihren Transport gelten besondere Vorschriften. Ebenso für Gegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus, die entsprechende Kennzeichen tragen. Handeln Sie hier nicht auf eigene Faust, sondern lassen Sie sich fachkundig beraten, bevor Sie etwas transportieren, anbieten oder verkaufen.

Gemälde

Der Wert hängt fast vollständig am Künstler. Zur Einordnung braucht es drei Aufnahmen: Vorderseite, Rückseite und eine Nahaufnahme der Signatur. Die Rückseite ist oft aufschlussreicher als das Bild selbst – dort finden sich Etiketten, Stempel und alte Beschriftungen.

Spielzeug, Teppiche und Bücher

Interessant ist vor allem Blechspielzeug aus der Zeit vor und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg; auch alte Puppenhäuser sind gesucht. Handgeknüpfte Teppiche sind heute schwieriger zu verwerten als früher, es gibt aber weiterhin werthaltige Stücke. Bei Büchern lohnt der Blick auf Fachliteratur vor 1900; bei Werken vor 1800 eher Sachbücher als Bibeln. Der Erhaltungszustand entscheidet stark mit.

Darf man geerbte Gegenstände vor dem Verkauf reinigen?

Nur sehr zurückhaltend. Der gut gemeinte Reinigungsversuch ist der häufigste Fehler, der Werte unwiederbringlich vernichtet.

Münzen niemals reinigen. Die Oberfläche einer Münze ist Teil ihrer Geschichte. Sammler möchten selbst entscheiden, ob und wie gereinigt wird – eine polierte Münze hat diesen Spielraum für immer verloren.

Für alles andere gilt: höchstens Staub und oberflächlicher Schmutz, mit einem leicht feuchten Tuch. Mehr nicht. Scharfe Reiniger, Politur und Schleifmittel mindern den Wert sofort und dauerhaft. Die Stücke sind, wie sie sind – und genau so sollen Fachleute sie sehen.

Auch Silberbesteck muss vor einem Verkauf nicht geputzt werden. Sinnvoll ist das allenfalls, wenn ein vollständiges Set längere Zeit ausgestellt werden soll.

Welche Unterlagen aus dem Nachlass muss man sichern?

Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen und ist am schwersten zu ersetzen. Ein alter Kaufbeleg oder eine Versicherungsaufstellung kann die Herkunft eines Gegenstands belegen – und Herkunft ist bei Kunst und Antiquitäten ein eigener Wertfaktor.

Wie vermeidet man Streit in der Erbengemeinschaft?

Erbengemeinschaften scheitern selten am Geld. Sie scheitern an alten Mustern: Wer sich in der Familie nie gesehen fühlte, holt sich an dieser Stelle, was er zu kurz gekommen glaubt. Der Streit dreht sich nach außen um einen Schrank und nach innen um etwas ganz anderes.

Was hilft, ist erstaunlich einfach: Alle Beteiligten sind bei allem dabei. Bei der Sichtung, beim Maklertermin, bei den Entscheidungen. Und wenn absehbar ist, dass es schwierig werden könnte, lohnt eine gemeinsame Wertsichtung mit einer neutralen fachkundigen Person – vor Ort oder gemeinsam per Video.

Das bringt Sachlichkeit, Ruhe und Struktur in eine Situation, in der alle emotional beteiligt sind – und verhindert oft, dass sich ein Streit über Monate hinzieht.

Woran erkennt man einen guten Haushaltsauflöser?

Wie lange eine Auflösung dauert, hängt vom Füllgrad ab, von der Etage, vom Zugang und davon, ob Container gestellt werden können. Mit ausreichend Stellfläche geht es deutlich schneller.

Wichtiger als das Tempo sind zwei Punkte:

Und ein Angebot entsteht erst nach einem Ortstermin. Was am Telefon geschätzt wird, wird am Räumungstag gern teurer. Dasselbe gilt für die Wahl des Maklers: Bei dem Posten, der im Nachlass am schwersten wiegt, entscheidet die Wahl der Person über das Ergebnis.

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Wie fange ich an?

Der einfachste erste Schritt kostet nichts: Fotografieren Sie, was Sie unsicher macht, und schicken Sie die Bilder per WhatsApp. Sie bekommen eine erste Rückmeldung, ob Wertgruppen erkennbar sind und ob sich ein Termin lohnt.

Sind mehrere Erben beteiligt oder wohnen sie weiter entfernt, ist die gemeinsame Video-Begehung meist der sinnvollste nächste Schritt: Alle sind gleichzeitig dabei, sehen dasselbe und entscheiden gemeinsam.

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Dieser Leitfaden gibt praktische Hinweise aus der Erfahrung mit über 500 aufgelösten Haushalten und Nachlässen. Er beschreibt Vorgehensweisen und Anhaltspunkte zur Einordnung von Gegenständen. Er stellt keine Wertermittlung, kein Gutachten und keine rechtliche, steuerliche oder finanzielle Beratung dar und ersetzt keine fachkundige Einzelfallprüfung. Für Fragen zu Erbrecht, Steuern, Waffenrecht oder zum Umgang mit historischen Gegenständen wenden Sie sich bitte an die zuständigen Fachleute. Alle Angaben ohne Gewähr.

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